Anthropic reicht vertraulich IPO-Unterlagen ein und zieht bei KI-Börsengängen an OpenAI vorbei

Anthropic reicht vertraulich IPO-Unterlagen ein und zieht bei KI-Börsengängen an OpenAI vorbei
Illustrationen erstellt mit KI-Bildgenerierung

Anthropic treibt den Börsengang voran und hat dafür vertrauliche Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. Der Schritt bringt den Entwickler von Claude vor OpenAI in Stellung und verschärft den Wettbewerb um Kapital, Rechenleistung und Unternehmenskunden.

Wie t3n am 2. Juni 2026 berichtete, hat Anthropic am Montag einen vertraulichen Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Zeitpunkt und Preisspanne des IPOs sind noch offen. Anthropic entwickelt den Chatbot Claude und zählt damit zu den direkten Anbietern von KI-Werkzeugen, die in Unternehmen gegen ChatGPT, Gemini und Copilot antreten. Laut t3n könnte der Börsengang zu den drei größten des Jahres 2026 zählen.

Bewertung steigt in Monaten

Die Dimensionen sind erheblich. Anthropic schloss laut t3n zuletzt eine Finanzierungsrunde über 65 Milliarden US-Dollar ab. Dabei wurde das Unternehmen mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet. Im Februar 2026 lag die Bewertung bei einer Runde über 30 Milliarden US-Dollar noch bei 380 Milliarden US-Dollar. Innerhalb weniger Monate hat sich der angesetzte Unternehmenswert damit mehr als verdoppelt. Für den Markt der KI-Assistenten ist das relevant, weil Kapital in diesem Umfang vor allem in GPU-Kapazitäten, Rechenzentren und Modelltraining fließt.

Anthropic liegt damit nach den im Bericht genannten Zahlen derzeit sogar vor OpenAI. Der ChatGPT-Entwickler wurde Ende März 2026 bei einer Finanzierungsrunde mit 852 Milliarden US-Dollar bewertet, bei zugesagtem Kapital von 122 Milliarden US-Dollar. Reuters hatte bereits Ende Mai berichtet, dass auch OpenAI in den kommenden Wochen vertrauliche IPO-Unterlagen einreichen könnte. Anthropic kommt dem Rivalen nun zuvor.

Altman bleibt demonstrativ gelassen

OpenAI-Chef Sam Altman spielte den Wettlauf um den ersten Börsengang herunter. „Wir werden es machen, wenn wir glauben, dass es Sinn ergibt“, sagte er laut t3n in einem Interview mit CNBC. Der Satz ist kurz, markiert aber eine andere Taktik. Während Anthropic den formalen Prozess startet, hält OpenAI den Zeitplan weiter offen. Für Unternehmenskunden bleibt damit vorerst nur sichtbar, dass sich die großen Modellanbieter parallel für die nächste Finanzierungsphase aufstellen.

Kritik an Mega-Bewertungen

Zweifel an den Bewertungen kommen aus der Finanzszene. Der Investor Michael Burry äußerte laut t3n auf Substack Kritik an den hohen Bewertungen von Anthropic und SpaceX. Parallel plant SpaceX, zu dem inzwischen auch xAI gehört, laut Bericht ein Börsendebüt am 12. Juni 2026. Genannt wird eine angestrebte Bewertung von 1,8 Billionen US-Dollar und ein Emissionserlös von 80 Milliarden US-Dollar. Ein konkreter Termin für den Anthropic-Börsengang wurde bislang nicht veröffentlicht.