Anthropic erweitert Project Glasswing auf 200 Partner für KI-Sicherheitsprüfungen kritischer Infrastruktur
Anthropic baut sein Sicherheitsprogramm Project Glasswing deutlich aus. Der Anbieter lässt kritische Software nun mit 200 Partnerorganisationen auf Schwachstellen prüfen und rückt damit KI-gestützte Sicherheitsanalysen für Energie, Wasser, Gesundheit und Kommunikation stärker in den operativen Einsatz.
Wie The Decoder unter Verweis auf Anthropic am 2. Juni 2026 berichtete, kommen rund 150 neue Organisationen zu den bisherigen etwa 50 Partnern hinzu. Die neuen Teilnehmer stammen aus mehr als 15 Ländern. Eingesetzt wird dabei Claude Mythos Preview, ein Modell zum Aufspüren schwerer Sicherheitslücken in kritischer Software. Laut Anthropic haben die bisherigen Partner bereits mehr als 10.000 schwere Schwachstellen identifiziert.
Ausbau in kritischen Sektoren
Die zusätzlichen Partner arbeiten laut dem Bericht in den Bereichen Energie, Wasser, Gesundheit und Kommunikation. Anthropic beziffert die mögliche Reichweite erfolgreicher Angriffe auf deren Systeme auf jeweils mehr als 100 Millionen betroffene Menschen. Das Programm zielt damit nicht auf allgemeine Büroautomatisierung, sondern auf besonders sensible Infrastrukturen. Für Unternehmen mit eigenen Industrie-, Versorgungs- oder Gesundheitsanwendungen rückt damit ein KI-Einsatzfeld in den Vordergrund, das direkt an bestehende Sicherheits- und Compliance-Prozesse anschließt.
Nach Angaben von The Decoder soll auch die EU-Agentur für Cybersicherheit ENISA Zugang zu Project Glasswing erhalten. Die Bedingungen würden aber noch verhandelt. Eine offizielle Bestätigung von ENISA lag in dem Bericht nicht vor. Der mögliche EU-Bezug ist dennoch relevant, weil Sicherheitsprüfungen kritischer Systeme in Europa eng mit NIS2-Vorgaben, branchenspezifischen Auflagen und Dokumentationspflichten verbunden sind.
Anthropic warnt vor Nachahmern
Anthropic verbindet die Ausweitung des Programms mit einer Warnung an die Branche. Andere KI-Anbieter könnten innerhalb von 6 bis 12 Monaten vergleichbare Modelle bereitstellen, heißt es in dem Bericht. Diese Systeme würden dann womöglich ohne ausreichende Schutzmechanismen gegen Missbrauch erscheinen. Einen direkten O-Ton liefert The Decoder nicht, verweist aber auf Anthropics Einschätzung, dass die Sicherheitsvorkehrungen vor einer breiteren Freigabe erst ausgebaut werden müssten.
Kommerzielles Produkt steht bereit
Parallel hat Anthropic mit Claude Security bereits ein kommerzielles Angebot auf Basis von Claude Opus 4.8 veröffentlicht, das Codebasen scannt und Patches vorschlägt, wie The Decoder schreibt. Project Glasswing dient damit auch als Praxisfeld für ein Geschäft rund um automatisierte Sicherheitsanalysen. In den kommenden Wochen will Anthropic die Mythos-Fähigkeiten allgemeiner zugänglich machen, sobald nach eigenen Angaben ausreichende Sicherheitsvorkehrungen entwickelt sind.